{"id":3282,"date":"2021-12-11T13:27:35","date_gmt":"2021-12-11T13:27:35","guid":{"rendered":"https:\/\/mensch-tier-gemeinsam.de\/htdocs\/?page_id=3282"},"modified":"2022-01-15T19:18:13","modified_gmt":"2022-01-15T19:18:13","slug":"das-wurmkur-abenteuer","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mensch-tier-gemeinsam.de\/htdocs\/ueber-uns\/die-vier\/das-wurmkur-abenteuer\/","title":{"rendered":"DIE VIER: Das Wurmkur-Abenteuer"},"content":{"rendered":"\n<p>F\u00fcr mich war es spannender als jeder Krimi, jedem der VIER eine Wurmkur-Tablette zu geben und zwar so, dass jeder nur eine frisst. Der Bericht ist unerwartet lang geworden.   Falls es Ihnen angenehmer ist, ihn als pdf zu lesen, finden Sie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/mensch-tier-gemeinsam.de\/htdocs\/wp-content\/uploads\/2022\/01\/die-vier_2021.11_wurmkur.pdf\" target=\"_blank\">hier die Datei<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das Wurmkur-Abenteuer<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Eine der ersten Herausforderungen, die DIE VIER und ich zu bew\u00e4ltigen hatten, war das Verabreichen bzw. die Einnahme einer Wurmkur. Anderthalb Wochen nach ihrer Ankunft fand ich W\u00fcrmer im Hundekot. Nach der Eingew\u00f6hnungszeit wollte ich sch\u00f6n mit den Hunden arbeiten, eine Beziehung aufbauen, beidseitigen Respekt leben, DIE VIER besch\u00fctzen, ihnen beweisen, dass es gut f\u00fcr sie ist, sich mir anzuvertrauen. Stattdessen diese f\u00fcrchterliche notwendige Angelegenheit. Neben meinen Zielen und Empfindungen verf\u00fcge ich \u00fcber eine gute Portion Realismus. Deshalb hatte ich mit W\u00fcrmern gerechnet und schon am Tag der Ankunft das Gewicht genommen. Bei der Ankunft waren Fenya, Moby, Jeannot und Rika sowieso einzeln in Transportboxen. Da war es einfach und stressfrei, die Boxen zuerst mit den Hunden, sp\u00e4ter ohne Hunde auf eine Lasten-Waage zu stellen. Die Hunde haben nur leicht unterschiedliche Gewichte, so bekommt jeder die gleiche Tablette. Jetzt also erstmal das Verabreichen der Wurmkur. Die sch\u00f6ne Beziehungsarbeit muss warten.<\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise ist es eine einfache Angelegenheit, einem Hund eine Entwurmungstablette zu verabreichen. Wichtig ist dabei, JEDEM Hund EINE Tablette zu geben. Daf\u00fcr gibt es mehrere M\u00f6glichkeiten. F\u00fcr Menschen ist es aufgrund der k\u00f6rperlichen \u00dcberlegenheit ein Leichtes, einen Hund einzufangen, zu fixieren, einen vom anderen zu separieren oder anzuleinen. Dies scheidet f\u00fcr mich aus, so lange DIE VIER menschliche N\u00e4he scheuen und ich noch nicht von ihnen anerkannte Rudelf\u00fchrerin bin und das Problem nur W\u00fcrmer sind. Unter diesen Umst\u00e4nden habe ich mich daf\u00fcr entschieden, zwar nicht k\u00f6rperlich \u00fcbergriffig zu werden, aber r\u00e4umliche Grenz\u00fcberschreitungen zu begehen, mit sanftem Druck und viel Zeit: die Wurmkur-Tabletten in Leckerlis verstecken und von den Hunden fressen lassen. Als Daria und Ravil noch so scheu waren, waren sie der jeweils einzige scheue Hund bei mir. Ich konnte die anderen Hunde unauff\u00e4llig steuern und Daria bzw. Ravil das Tabletten-Leckerli hinwerfen. Aber jetzt habe ich vier scheue Hunde, die zusammenhalten. Tabletten-Leckerlis hinlegen: Dann w\u00fcrde vermutlich der erste Hund alle vier fressen und die anderen w\u00fcrden leer ausgehen. Also muss ich so nah herangehen, dass ich die Tabletten gezielt jedem Hund geben kann. Das sind nat\u00fcrlich r\u00e4umliche und damit auch seelische Grenz\u00fcberschreitungen, weil ich in ihre gef\u00fchlte Schutzzone, in ihren sicheren Bereich eindringe. Nun k\u00f6nnte man sagen, das sei doch normal und deshalb v\u00f6llig okay. Das macht doch jeder liebende Tierhalter mit seinem Tier. Ja, das macht fast jeder Tierhalter. Und ja, das machen vor allem die allermeisten tierliebenden Menschen mit ihren Tieren. Doch nur weil es normal ist, ist es aus meiner Sicht noch nicht automatisch akzeptabel. \u201eLiebe macht blind\u201c, hei\u00dft es so treffend. In meinen Beratungen erlebe ich es immer wieder. Je mehr ein Mensch sein Tier liebt, umso weniger sieht er hin, ob sein Tier die k\u00f6rperliche N\u00e4he und die Ber\u00fchrungen genie\u00dft, duldet, mit innerem Widerstand ertr\u00e4gt oder ihnen auszuweichen versucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Also gehe ich am Montag, 22.11.2021, mit gro\u00dfer Aufmerksamkeit zu den VIEREN und probiere erstmal, was \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist. Wer Angst hat, frisst nicht. Ich muss es schaffen, sehr nah an jeden einzelnen der Hunde heranzukommen, um die Tablette gezielt zu geben und auch um zu sehen, ob die Tablette geschluckt oder wieder ausgespuckt wird. Und das muss ich k\u00f6rpersprachlich so hinbekommen, dass sie angstfrei sind, damit sie fressen. Zum Gl\u00fcck mag ich Herausforderungen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um herauszufinden, wie DIE VIER \u00fcberhaupt auf Leckerlis reagieren, teste ich erstmal nur mit Leckerlis, ohne Tabletten. Daria lehrte mich, vorsichtig zu sein. Sie holte mit ihrer riesigen Collie-Sch\u00e4ferhund-Schnauze die kleinsten Tabletten aus Leckerlis heraus bzw. spuckte sie wieder aus. Sobald sie eine Tablette entdeckt hatte, fra\u00df sie wochenlang nichts Gleichartiges mehr, egal ob der K\u00f6der K\u00e4se, W\u00fcrstchen, Leberwurst o.\u00e4. war (Bei ihr klappte es am besten, wenn ich mit Hilfe der anderen Hunde Futterneid und H\u00fctchen-Spieler-Techniken mischte.). Grundsituation: Wenn ich in den Auslauf gehe, sind maximal Fenya und Moby im sichtbaren Bereich. Jeannot und Rika sind grunds\u00e4tzlich in einer der H\u00fctten im Stall. Der erste Versuch ergibt: Gezielt vor jeden Hund werfen f\u00e4llt aus, weil die Angst vor dem Flugobjekt gr\u00f6\u00dfer ist als der Appetit. Allerdings zeigen die Nasen eine Weile sp\u00e4ter Interesse. N\u00e4chster Versuch: Ich bewege mich vorsichtig im Auslauf, lasse dabei Leckerlis aus lockerem Handgelenk fallen und setze mich in einigem Abstand hin. Fenya und Moby nehmen sich langsam ein einzelnes St\u00fcck und zerkauen es sehr gr\u00fcndlich, sowohl Frolic als auch Bockwurst-Scheiben. Sie fressen mehrere St\u00fccke, aber nicht alle. In ihrem bisherigen Leben hatten DIE VIER immer ausreichend Trockenfutter zur freien Verf\u00fcgung. Dadurch sind sie in Bezug auf Futter ruhig und gelassen \u2013 eigentlich wundersch\u00f6n, doch hierf\u00fcr unpraktisch. Damit sie die Tabletten ohne es zu merken aufnehmen, m\u00fcssen sie vertrauensvoller (braucht viel Zeit) oder gieriger werden. Also entferne ich das Futter und biete alle paar Stunden Leckerlis an. Nach einem halben bis einem Tag stelle ich wieder Futter hin, damit sie sich einmal satt fressen k\u00f6nnen (Es juckt mir in den Fingern, an dieser Stelle die Einsatzm\u00f6glichkeiten und Nachteile von \u201eFutter als Erziehungs- oder \u00dcberredungsmittel\u201c zu erl\u00e4utern, aber dann werde ich ewig nicht fertig mit diesem Text.). Ich sitze viel im Auslauf, an verschiedenen Stellen und verringere nach und nach die Entfernung zwischen den Leckerlis und meinem K\u00f6rper. Fenya und Moby lassen sich darauf ein, fressen aber noch zu vorsichtig. Wenn ihnen allgemein etwas zu unheimlich ist, bleiben sie ruhig auf Abstand. Wenn ich jedoch Leckerlis auf meiner Handfl\u00e4che anbiete, wird Moby etwas nerv\u00f6s und Fenya sehr nerv\u00f6s. Es sieht aus, als ob Fenya etwas wiedererkennt bzw. eine negative Verkn\u00fcpfung hat mit Leckerlis auf offener Menschenhand. Okay, dann lasse ich die Leckerlis eben fallen und meine Hand herunterbaumeln. Sofort wird sie ruhiger. Es passiert jedes Mal das gleiche. Moby kommt gar nicht so nah an mich heran. Fenya kommt nah heran, was mir aber nichts n\u00fctzt. Beide holen sich immer nur ein Leckerli ab, gehen weg und fressen es etwa drei Meter von mir entfernt. Und immer wieder dieses vorsichtige Zerbei\u00dfen. Drei Tage schon und noch kein Erfolg in Sicht. Meine Hoffnung sinkt. Ich erh\u00f6he den Druck \u00fcber gr\u00f6\u00dferen Hunger. Mittwochmorgen haben sie das letzte Mal richtig gefressen. Am Donnerstag ist die noch ziemlich fremde Person hier, die die zweite Bezugsperson f\u00fcr DIE VIER werden soll. Neuer Mensch, neues Gl\u00fcck. In der Hoffnung, dass DIE VIER sich dieser Person mehr anvertrauen, gehe ich mit den Leckerlis einen Schritt weiter: In der Gr\u00f6\u00dfe der Wurmkur-Tabletten zerbreche ich Frolic-St\u00fcckchen und stecke sie in die Bockwurst-Scheiben. Damit will ich sehen, wie die Hunde auf das Feste im Weichen reagieren. Au\u00dferdem ist es doppelt lecker. Ich \u00fcbergebe die speziellen doppelt leckeren Leckerlis und ziehe mich zur\u00fcck. Die neue Bezugsperson geht unvoreingenommen in den Auslauf, legt eine Leckerli-Reihe bis kurz vor ihren Sitzplatz und wartet. Fenya und Moby bleiben im Auslauf, fressen die abgelegten Leckerlis, die weit genug entfernt von der Person sind. Damit die Hunde mehr fressen, wirft sie Leckerlis dorthin, von wo Fenya und Moby die vorigen geholt hatten. Wie bei mir sind Fenya die Flugobjekte zu unheimlich, sie zieht sich in den Stall zur\u00fcck. Moby zieht sich auch kurz zur\u00fcck, kommt aber wieder. Er holt sich mehrmals ein Leckerli und frisst es. Das klingt eigentlich gut. Jedoch holt er sich jeweils ein Leckerli, geht damit wieder zu seinem sicheren Platz, pult den Mini-Frolic-Kr\u00fcmel heraus, frisst ihn auf und frisst danach die Bockwurst-Scheibe. Eine Tablette unauff\u00e4llig in den K\u00f6der zu schmuggeln erscheint aussichtslos. Ich kapituliere.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Parallel dazu habe ich seit Montag auch im Stall versucht, Leckerlis zu geben. Wenn ich im Stall gewesen bin, ist Fenya fast immer im Auslauf gewesen. Moby hat manchmal vor der hinteren H\u00fctte gelegen. Mal ist er liegen geblieben, mal rausgelaufen, wenn ich mich der hinteren H\u00fctte gen\u00e4hert habe, wo Rika und Jeannot gewesen sind. Drinnen hat Moby die Leckerlis angesehen aber nicht genommen und nicht gefressen. Die Variante habe ich aufgegeben. Die Hundeh\u00fctten sind nur unten etwa 20 cm hoch offen. Dar\u00fcber h\u00e4ngt Auslegware wie ein Vorhang. Dadurch ist es auch im Winter in den H\u00fctten warm und auch gro\u00dfe alte steife Hunde k\u00f6nnen bequem ein- und ausgehen. F\u00fcr die scheuen Hunde ist es meistens einfacher, wenn sie zwar unten durch den Spalt erkennen k\u00f6nnen, ob sich jemand n\u00e4hert, aber gleichzeitig nicht zum Beispiel den riesigen Menschenk\u00f6rper in seiner Gr\u00f6\u00dfe zu sehen brauchen. Montag bis Donnerstagmorgen habe ich mehrmals Leckerlis auf meiner Hand hineingehalten oder vorne in die H\u00fctte gelegt. Irgendeine Hundeschnauze hat nicht immer, aber ziemlich h\u00e4ufig die Leckerlis gefressen. In Bezug auf die Wurmkur-Tabletten n\u00fctzt mir das leider nichts, so lange ich nicht wei\u00df, ob Jeannot oder Rika oder Fenya (Manchmal ist sie auch in der H\u00fctte gewesen.) gefressen hat. Aus der H\u00fctte herausgekommen sind sie nicht, nicht mal mit der Schnauze, egal was ich mit den Leckerlis veranstaltet habe. Sie haben lieber aufs Leckerli verzichtet.<\/p>\n\n\n\n<p>Donnerstagnachmittag gebe ich auf. Keine Idee mehr. Keine Hoffnung mehr. Mindestens eine halbe Stunde lang. Das ist bei mir immer so krass: Wenn ich auf einen Tiefpunkt zusteuere, kann dieser Weg lange dauern. Sobald ich am Tiefpunkt angekommen bin, geht es meistens blitzschnell: neuer Denkansatz, neue Ideen, neue Motivation, neue Energie, Durchbruch, Erfolg, fertig! In diesem konkreten Fall schnappe ich mir gegen Abend zwei Schrauben und einen Schraubendreher, gehe durch den Auslauf in den Stall zur hinteren Hundeh\u00fctte, biege im Zeitlupentempo mit verdrehtem K\u00f6rper (um m\u00f6glichst wenig Angst auszul\u00f6sen) die Auslegware hoch und schraube sie oben fest, damit der Eingang offen ist. Dann entferne ich mich und gebe den Hunden mehrere Stunden Zeit, sich an diesen angsteinfl\u00f6\u00dfenden Zustand zu gew\u00f6hnen. Sehr sp\u00e4t am Abend gehe ich mit Bockwurst, Frolic und Leberwurst in den Stall. Fenya und Moby sind im Auslauf. Die Wurmkur-Tabletten sind seit Montag einsatzbereit in meiner Jackentasche. DIE VIER haben seit anderthalb Tagen nichts gefressen, abgesehen von einigen Leckerlis. Rika und Jeannot sind nicht in eine andere H\u00fctte gegangen, sondern sind in der hinteren, offenen H\u00fctte. Ich bewege mich so wie die vorigen Male auch, mit den gleichen Schritten, der gleichen Drehung an der gleichen Stelle, der gleichen Art die Leckerlis abzustellen, setze mich auf den gleichen Hocker, diesmal allerdings direkt vor den H\u00fctteneingang. Meine Beine versuche ich so zu verknoten, dass die Hunde trotzdem einen Fluchtweg haben. Mit Frolic und Bockwurst \u00fcbe ich die gezielte Gabe. Die Tage zuvor f\u00fchlte ich h\u00e4ufig eine forschere Schnauze und seltener eine zur\u00fcckhaltendere Schnauze. Jetzt kann ich es sehen: Die forschere Schnauze ist von Jeannot, dem scheuen Schlitzohr. Rika und Jeannot sitzen direkt zusammen. Mit einer leichten Richtungs\u00e4nderung zeigt meine Hand, welchem Hund ich etwas geben m\u00f6chte. Jeannot ist der Meinung, dass alles f\u00fcr ihn ist. Wenn meine Hand bei der Ann\u00e4herung in Jeannots Richtung zeigt und seine Schnauze sich zu meiner Hand bewegt, \u00f6ffne ich die Hand und er kann fressen. Wenn meine Hand bei der Ann\u00e4herung in Rikas Richtung zeigt und sich seine Schnauze zu meiner Hand bewegt, mache ich eine feste, gespannte Faust, vielleicht eine halbe Sekunde lang. Dann bewege ich die Hand deutlicher zu Rika, locker und offen. Nach etwa drei Malen hat Jeannot verstanden, was ich meine. Sp\u00e4ter testet er ab und zu, ob ich konsequent bin. Schwieriger ist es f\u00fcr Rika, sich an meine Hand zu trauen, nachdem ich Jeannot die Spannung gezeigt habe. Aber wir bekommen das schnell hin &#8211; bis ich die Leberwurst ins Spiel bringe, da dr\u00e4ngelt Jeannot wieder mehr. Ich stelle nochmal klar, dass ich bestimme, wer etwas bekommt. Meine Hoffnung w\u00e4chst. Das gleiche mit Frolic-St\u00fcckchen in Leberwurst. Es klappt, die Hunde nehmen und schlucken. Mein Herz rast vor freudiger Aufregung. Ich konzentriere mich darauf, ruhig zu atmen. Dann wage ich den Schritt von der \u00dcbung zum Ernstfall. Ich verstecke zwei Tabletten in Leberwurst. Erst noch ein paarmal Frolic-Leberwurst, aber jetzt schneller, damit die Hunde gieriger werden. Dann Tablette in Jeannot, Tablette in Rika. Rika schmatzt und macht komische Schnauzenbewegungen. Schnell noch etliche Leckerlis hinterhergeschoben, damit die Tabletten auch wirklich heruntergeschluckt werden. 50 % geschafft! Vorsichtig lasse ich die Auslegware an der H\u00fctte wieder herunterh\u00e4ngen. Extrem euphorisiert gehe ich mit meinen Vorr\u00e4ten in den Auslauf und verteile ein paar Leckerlis. Anderthalb Tage kein Futter hat sich bei Jeannot und Rika f\u00f6rderlich ausgewirkt. Bei Fenya erh\u00f6ht es die Nervosit\u00e4t, bei Moby f\u00fchrt es (wie bei mir) zu schlechter Laune. Moby st\u00fcrzt sich auf Fenya, es entsteht ein knurrendes, bei\u00dfendes Kn\u00e4uel. Ich beende die Bei\u00dferei mit dem legend\u00e4ren Knoop-L\u00fcbke-Br\u00fcller, atme aus, zeige Entspannung, sammle meine Sachen zusammen und gehe raus. Dann stelle ich eine gro\u00dfe Menge Futter in den Stall und verabschiede mich ruhig und langsam von den Hunden. Meine unterschiedlichen Gef\u00fchle sind so krass und wollen unbedingt sofort raus. Nachts um halb eins finde ich keinen Gespr\u00e4chspartner, also hopse ich mit Daisy \u00fcber den Hof und beschlie\u00dfe, diese Erlebnisse irgendwann aufzuschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Hunde habe ich geschafft, aber zwei fehlen noch. Jeannot und Rika lasse ich in Ruhe. W\u00e4hrend der letzten Tage habe ich ihnen sehr oft Angst gemacht. Inzwischen bekommen sie Angst, sobald ich den Auslauf betrete. Dann h\u00f6re ich, unabh\u00e4ngig davon ob Fenya auch in der H\u00fctte ist oder nicht, wie jeder versucht hinter den\/ die anderen zu klettern, um nicht von mir gesehen und bedr\u00e4ngt zu werden. Freitag mache ich mit Fenya und Moby im Auslauf ohne gro\u00dfe Hoffnung einfach stumpf weiter die Leckerli-\u00dcbungen. Mit vollem Bauch sind sie ruhiger. Samstag fr\u00fch ist Moby im Auslauf, Fenya im Stall und Fenya bleibt merkw\u00fcrdigerweise im Stall. Wahrscheinlich bin ich ihr zu nervig. Die Chance nutze ich! Moby sitzt neben\/ hinter der Au\u00dfen-H\u00fctte, zwischen Hauswand und H\u00fctte, so dass er sich gesch\u00fctzt f\u00fchlt und mich beobachten kann. Ich gehe ungef\u00e4hr in die Mitte des Auslaufs, lege ein Paar Leckerlis hin und gehe zur\u00fcck zu meinem Sitzplatz. Nichts passiert. Ich sammle die Leckerlis auf, gehe ein wenig n\u00e4her zu Moby, lege dort die Leckerlis hin und gehe wieder zu meinem Sitzplatz. Moby bleibt unver\u00e4ndert sitzen, beobachtet sehr intensiv. Okay, er hat kein Leckerli genommen, aber ich bin froh, dass ihn meine Ann\u00e4herung nicht verschreckt hat. F\u00fcr Moby w\u00e4re es besser, ich w\u00fcrde die Leckerlis in einer Ecke, die ich von meinem Sitzplatz nicht einsehen kann, hinlegen. Dann kann ich jedoch nicht sehen, ob Moby die Tablette schluckt oder ausspuckt. Also versuche ich es weiter, sehr langsam, seitlich, selbstverst\u00e4ndlich ohne Blickkontakt mit den wieder aufgesammelten Leckerlis noch n\u00e4her heranzugehen, die Leckerlis wieder abzulegen, in einer Reihe. Jetzt liegen die Leckerlis so, dass Moby mit dem K\u00f6rper zwischen Au\u00dfenh\u00fctte und Hauswand bleiben kann und nur den Kopf vorzustrecken braucht. Es klappt, er frisst die Bockwurst-Scheiben. Jetzt das gleiche mit Leberwurst und Frolic-Kr\u00fcmel innen drin. Er frisst. Anscheinend hat er \u00fcber die Tage sein Misstrauen abgebaut. Vor Freude und Spannung w\u00fcrde ich am liebsten h\u00fcpfen, stattdessen konzentriere ich mich auf ruhige Atmung und langsame Bewegungen. Jetzt die spannendste Reihe: von Moby zu mir zweimal Leberwurst mit Frolic, einmal Leberwurst mit Wurmkur-Tablette, einmal nur Leberwurst. Juhuu! Jetzt noch einmal langsam seitlich hingehen, um Leckerlis zum Nachfressen hinzulegen, damit die Tablette auch wirklich in den Magen gelangt. Puh! 75 % geschafft! Wenn ich an Fenya denke, bin ich wieder ratlos, habe keine Idee.<\/p>\n\n\n\n<p>Samstagabend, sp\u00e4t, zeigt Fenya mir die L\u00f6sung. Im Auslauf ist niemand zu sehen. Im Stall liegt Moby vor der hinteren H\u00fctte. In den anderen H\u00fctten ist kein Hund. Also wird Fenya mit Rika und Jeannot in der vertrauten hinteren H\u00fctte sein. Vorsichtig gehe ich n\u00e4her heran, Moby geht nach drau\u00dfen. Im Laufe dieser Tage ist meine Ausstattung in den Jackentaschen sehr umfangreich geworden. Langsam nehme ich die Schrauben und den Schraubendreher, sehr langsam bewege ich die Auslegware nach oben und befestige sie. Mehrmals einfach nur ausatmen, bis die drei in der H\u00fctte sich r\u00e4umlich neu sortiert haben. Dann bereite ich langsam meinen Platz vor der H\u00fctte vor. Ich stelle den Klapphocker direkt davor, einen Stuhl als Ablage f\u00fcr die verschiedenen Leckerlis und die Tablette, lege alles griffbereit hin. Auf dem Hocker sitzend verknote ich meine Beine wieder so, dass die Hunde sehen, dass sie hinauslaufen k\u00f6nnen. Der Rest ist ein Kinderspiel. Mit drei Hunden ist es nat\u00fcrlich etwas umst\u00e4ndlicher als vorher nur mit Rika und Jeannot. Jeder Hund soll gleich viel bekommen, damit kein Frust entsteht. Rikas Schnauze h\u00e4lt einen Abstand von mehreren Zentimetern. Jeannots und Fenyas Schnauzen sind nebeneinander, \u00fcbereinander, hintereinander, beide direkt an meiner Hand. Mit Spannung und Entspannung in meiner Hand zeige ich, welches Verhalten ich m\u00f6chte und welches nicht. Das weitere Vorgehen kennen Sie bereits. Einzig ver\u00e4ndere ich nun, dass ich keine offene Handfl\u00e4che zeige, damit Fenya nicht wieder so nerv\u00f6s wird (s. o.). Es klappt, 100 % geschafft! Danach bin ich weniger erfreut als vielmehr erleichtert. &nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach sechs Tagen hat jeder der VIER eine Wurmkur-Tablette eingenommen. Endlich, endlich, kann ich anfangen, die Beziehungen so aufzubauen, wie ich es m\u00f6chte. Ohne sie zu bedr\u00e4ngen, ohne Grenzen zu \u00fcberschreiten. Ich finde es immer schwierig, gute Entscheidungen zu treffen, wenn die k\u00f6rperlichen Bed\u00fcrfnisse oder Notwendigkeiten den seelischen Bed\u00fcrfnissen widersprechen. W\u00e4hrend und nach den sechs Tagen der st\u00e4ndigen Grenz\u00fcberschreitungen sind DIE VIER \u00e4ngstlich, wenn ich mich in der N\u00e4he des Auslaufs oder des Stalls bewege. In der H\u00fctte h\u00f6re ich dann die Ger\u00e4usche, die entstehen, wenn ein Hund hinter den anderen krabbelt, um m\u00f6glichst weit weg von der H\u00fctten\u00f6ffnung zu sein. Sonntag baue ich vorm Auslauf einiges f\u00fcr die n\u00e4chste Phase, f\u00fcr die sch\u00f6ne Arbeit auf und lasse DIE VIER vollst\u00e4ndig in Ruhe. Montag fr\u00fch fallen mir die Ger\u00e4usche zum letzten Mal auf. Jetzt kann ich mich auf das seelische Wohl und die Beziehungsarbeit konzentrieren. &nbsp;&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>F\u00fcr mich war es spannender als jeder Krimi, jedem der VIER eine Wurmkur-Tablette zu geben und zwar so, dass jeder nur eine frisst. Der Bericht ist unerwartet lang geworden. Falls es Ihnen angenehmer ist, ihn als pdf zu lesen, finden Sie hier die Datei. 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