{"id":3759,"date":"2022-12-24T02:46:49","date_gmt":"2022-12-24T02:46:49","guid":{"rendered":"https:\/\/mensch-tier-gemeinsam.de\/htdocs\/?page_id=3759"},"modified":"2022-12-24T11:45:00","modified_gmt":"2022-12-24T11:45:00","slug":"die-vier-entwicklungsstand-nach-einem-jahr","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mensch-tier-gemeinsam.de\/htdocs\/ueber-uns\/die-vier\/die-vier-entwicklungsstand-nach-einem-jahr\/","title":{"rendered":"DIE VIER: Entwicklungsstand nach einem Jahr"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>DIE VIER sind seit einem Jahr in B\u00e4belitz!<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Seit DIE VIER hier sind, entwickeln sie sich. St\u00e4ndig! Einige Entwicklungen finden nur innerlich statt, sind w\u00e4hrenddessen nicht zu sehen, erst viel sp\u00e4ter sieht man das Ergebnis. Andere Entwicklungen sind zu sp\u00fcren und zu sehen, aber schwer in Worte zu fassen, zum Beispiel wie sich die Bewegungsart ver\u00e4ndert, je gr\u00f6\u00dfer das Vertrauen und die Selbstsicherheit werden. Nun, nach einem Jahr, gibt es noch andere Entwicklungen, und zwar solche, die sich sehr gut beschreiben lassen.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>07.11.2022<\/strong>: An diesem Tag war ich bestimmt einer der gl\u00fccklichsten Menschen auf Erden. Ich wurde gebissen! Was f\u00fcr ein wunderbares Ereignis! Zack rein in die Finger, mit Schmerz, also <strong>so richtig doller K\u00f6rperkontakt.<\/strong> Am Zeigefinger war sogar ein klitzekleiner Abdruck zu sehen. Mann, Mann, Mann, was war ich \u00fcberrascht und gl\u00fccklich! Die Situation war folgende: \u00dcber Mittag, als im Dorf alles ruhig war, bot ich den VIERen an, mit mir auf die mittlere Fl\u00e4che zu gehen, wo es immer besonders gut nach Katzen duftet. Ich machte es mir gem\u00fctlich, Beine hoch auf einen zweiten Stuhl. Was Tiere an dieser Haltung beruhigt, ist der nach hinten gelehnte und entspannte Oberk\u00f6rper. Rika verl\u00e4sst den Stall und den Auslauf, also den sicheren eigenen Bereich, nach wie vor nur nachts. Fenya, Moby und Jeannot liefen und schn\u00fcffelten umher. Nachts reagieren sie drau\u00dfen schon gut auf Leckerlis, tags\u00fcber sind sie skeptischer. Einige W\u00fcrstchen, die ich \u00fcbrig hatte, hatte ich in Scheiben geschnitten und mitgenommen. Ich wollte sie den VIERen anbieten, ging aber davon aus, dass DIE VIER wohl eher misstrauisch sein w\u00fcrden und Daisy sich sp\u00e4ter \u201eopfern\u201c m\u00fcsste, die W\u00fcrstchen zu fressen. Also ohne Erwartung probierte ich einfach mal was aus. W\u00fcrstchenscheibe zu Fenya geworfen, Fenya holte sie sich. W\u00fcrstchenscheibe auf meiner ausgestreckten Hand, Fenya gerufen, Fenya kam heran und nahm sie von meiner Hand. Juhu! Moby hingehalten, Moby angesprochen, er sah zu meiner Hand, blieb aber entfernt stehen. Da es nur etwa drei Meter waren, fand ich es so mutig von Moby, dass ich sie ihm hinwarf. Jeannot stand weiter weg. Das gleiche wie vorher nochmal mit Fenya und mit Moby. Jeannot wirkte sehr interessiert. W\u00fcrstchenscheibe auf meiner ausgestreckten Hand, Jeannot gerufen. Selbstverst\u00e4ndlich war mein Oberk\u00f6rper weggelehnt, mein Kopf leicht weggedreht. Trotz meiner Vorsichtsma\u00dfnahmen stellte ich mich darauf ein, meine Hand lange hinzuhalten, ohne dass etwas passieren w\u00fcrde, so wie bei Moby. Und zack \u2013 der Schmerz! <strong>Jeannot<\/strong> wollte sich trotz seiner Scheu blitzschnell die W\u00fcrstchenscheibe von meinen w\u00fcrstchenfarbenen Fingern schnappen. Das tat er auch, nahm aber f\u00fcr eine zehntel Sekunde die W\u00fcrstchenscheibe mitsamt meinen Fingern in seine Schnauze. Sofort rannte er zu seinem vorherigen Beobachtungsplatz zur\u00fcck, drehte sich um und starrte mich ungl\u00e4ubig an. Vermutlich starrte ich ihn ebenso ungl\u00e4ubig an. Ich war erschrocken \u00fcber den Schmerz. Jeannot war erschrocken dar\u00fcber, dass die W\u00fcrstchenscheibe nicht in der Luft geschwebt hatte. Wir beide waren au\u00dferdem erschrocken \u00fcber seinen unerwarteten Mut. Nach dem Schreck h\u00e4tte ich vor Gl\u00fcck platzen k\u00f6nnen. Bei scheuen Tieren mit nat\u00fcrlichem Verhalten k\u00f6nnen Leckerlis f\u00f6rderlich sein. Aber wenn scheue Tiere sich zwischen Sicherheit und Leckerli entscheiden m\u00fcssen, entscheiden sie sich immer f\u00fcr Sicherheit. So wie Moby und Rika. Fenya kommt sowieso schon \u00f6fter in meine N\u00e4he. Sie nahm die W\u00fcrstchenscheibe auch ziemlich ruhig von meiner Hand. Jeannot war nicht mehr \u00e4ngstlich, nur noch unsicher bez\u00fcglich k\u00f6rperlicher N\u00e4he zu mir. Kein W\u00fcrstchen h\u00e4tte ihn zu mir bewegen k\u00f6nnen, wenn er die k\u00f6rperliche N\u00e4he zu mir noch als bedrohlich oder angsteinfl\u00f6\u00dfend empfunden h\u00e4tte. Der Biss bewies, dass er sich freiwillig an mich herantraut hatte!<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ab Anfang November 2022<\/strong>: Bei der regelm\u00e4\u00dfigen Anwesenheitskontrolle kann ich mich schon ziemlich nat\u00fcrlich bewegen. Fenya ist im Auslauf, Rika und Jeannot sind in der hinteren H\u00fctte im Stall. Moby liegt neben\/ vor der hinteren H\u00fctte. Ich quetsche mich so vor die H\u00fctte, dass jedem Hund ein Fluchtweg bleibt und ich hockend sehr nah bei den Hunden bin.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer von uns beiden damit anfing, wei\u00df ich nicht mehr. <strong>Moby und ich<\/strong> beschn\u00fcffeln uns abwechselnd. Es fing sehr, sehr z\u00f6gerlich an. \u00dcber ein paar Wochen haben Moby und ich alle paar Tage die Nase etwas n\u00e4her an den anderen herangehalten und etwas intensiver geschn\u00fcffelt. Jetzt, Mitte Dezember, reckt Moby sogar den Kopf deutlich in meine Richtung, wenn ich mich vor\/ neben ihm hinhocke und er hat mich beim Schn\u00fcffeln sogar schon mit seiner Nase ber\u00fchrt. Wir machen es immer noch nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd. Wenn ich mit Schn\u00fcffeln dran bin, kann ich meinen Kopf mittlerweile direkt \u00fcber Mobys K\u00f6rper halten. Wegen mangelnder Gelenkigkeit bleibt mein Kopf mindestens 30 cm \u00fcber Mobys K\u00f6rper. Allerdings hat Moby mir einen anderen Vorschlag gemacht, von dem ich zun\u00e4chst nicht wusste, ob ich ihn richtig verstanden hatte. Vermutlich war Moby sich anfangs selbst nicht sicher, ob er es wollte. Seit Anfang Dezember ber\u00fchre ich Moby mit der Spitze meines Zeigefingers mit ein Zentimeter langen Bewegungen. Wir wagen uns beidseitig millimeterweise vor. Inzwischen ist Moby sich beim Schn\u00fcffeln sicher, dass es ihm gef\u00e4llt. Von meinen Ber\u00fchrungen ist er noch nicht begeistert, aber er m\u00f6chte k\u00f6rperliche N\u00e4he zu mir. Wahrscheinlich w\u00e4re ihm Kontaktliegen lieber. Daf\u00fcr bin ich jedoch k\u00f6rperlich zu steif und der Platz reicht f\u00fcr meinen riesigen K\u00f6rper nicht. Die Ber\u00fchrung durch meine Fingerspitze scheint ein guter Kompromiss zu sein. Zu erkennen ist es daran, dass Moby mit der Spitze seines Schlappohrs Platz macht f\u00fcr meine Fingerspitze und dass Moby bei seiner Ann\u00e4herung zunehmend deutlich (mehrere Millimeter) unterscheidet zwischen Nase zum Schn\u00fcffeln zu mir und Wange neben meine Hand halten. Ein weiteres positives Zeichen ist, dass Moby direkt Beendigung meiner Ber\u00fchrung sofort wieder an mir schn\u00fcffeln mag. Ein paarmal habe ich Moby kleine Gegenst\u00e4nde zum Schn\u00fcffeln hingehalten. Handy findet er uninteressant, Handschuh dagegen geht immer. Um ihm Daisy bzw. ihren Geruch n\u00e4her zu bringen, habe ich Moby einmal Daisys Halsband hingehalten \u2013 total bescheuerte Idee. Ich hatte nicht bedacht, dass DIE VIER schon mal in Angst angeleint gewesen waren. Als Moby das Halsband sah, erstarrte er. N\u00e4chsten Tag hatte ich eine bessere Idee: eine getragene Socke von mir. So versuchen und probieren wir und lernen uns gegenseitig immer besser kennen. Und f\u00fcr die \u00dcbertragung von Daisys Geruch nehme ich jetzt meine Hand oder einen Handschuh.&nbsp;&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Mitte Dezember 2022<\/strong>: <strong>Leckerli-Entwicklung<\/strong>, die wichtigsten Zwischenstufen \u00fcber vier oder f\u00fcnf Monate:<\/p>\n\n\n\n<p><em>Beim Schreiben finde ich es schwierig zu sortieren, welche Infos Sie brauchen, um sich ein Bild machen zu k\u00f6nnen und welche Details ich weglassen sollte, damit es weder langweilig noch verwirrend wird. Denn tats\u00e4chlich gab es in dieser Leckerli-Entwicklung noch viel mehr Zwischenstufen. &nbsp;&nbsp;&nbsp;<\/em><\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Voraussetzung war, dass ich DIE VIER bereits \u00fcber Monate davon \u00fcberzeugt hatte, dass ich ihnen eine Fluchtm\u00f6glichkeit gew\u00e4hre und sie k\u00f6rperlich respektiere, <strong>auch wenn ich r\u00e4umlich eine Grenz\u00fcberschreitung begehe und in ihren R\u00fcckzugsbereich eindringe<\/strong>, indem ich in den Stall hineingehe.<\/li>\n\n\n\n<li>Ein Leckerli auf der flachen Hand im Wechsel vorn Moby angeboten und Hand in die hintere H\u00fctte hineingehalten. Moby ignorierte es. Immer \u00f6fter fra\u00df ein Hund in der H\u00fctte mein Leckerli. Damit Rika und Jeannot sich sicher f\u00fchlen konnten, habe ich nicht hineingesehen. Vermutlich war es Jeannot, der Leckerlis nahm.<\/li>\n\n\n\n<li>Mehrmals nahm Moby Leckerli in die Schnauze und lie\u00df es fallen.<\/li>\n\n\n\n<li>Moby nahm Leckerli und fra\u00df es!<\/li>\n\n\n\n<li>Rika kam nie nach vorn. Irgendwann hatte ich mal f\u00fcr Fenya Leckerlis in die H\u00fctte geworfen. Davon waren Rika und Jeannot so verunsichert, dass sie die Leckerlis nicht fra\u00dfen, so lange ich in der N\u00e4he war. Danach gab es zwar keine Anzeichen f\u00fcr eine Bei\u00dferei, trotzdem erschien es mir zu gef\u00e4hrlich, Futter auf so kleinem Raum zwischen Raubtieren liegen zu lassen. Deshalb wiederholte ich es nicht, sondern bot Rika nichts an (= bedr\u00e4ngte sie nicht) und hoffte, dass Rika eines Tages nach vorn kommen w\u00fcrde.<\/li>\n\n\n\n<li>Nach und nach streckte ich meine Hand weniger zu Jeannot hin, wenn ich ihm Leckerli anbot. Dann kam Jeannot sogar mit dem Kopf unter dem Vorhang heraus und nahm das Leckerli direkt vor mir in meinem Sichtfeld! Moby verweigerte Leckerli. Die N\u00e4he des gierigen Jeannots war Moby wohl zu unheimlich. Erst mehrere Tage sp\u00e4ter (Jeannot holte sich best\u00e4ndig vor der H\u00fctte das Leckerli ab.) nahm Moby wieder Leckerli von meiner Hand, sp\u00e4ter fra\u00df er sie auch wieder.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Fenya<\/strong> ist grunds\u00e4tzlich unsicher und unruhig, wenn ich im Auslauf oder Stall bin. Aber sie ist ja auch eigenwillig, sie mag lieber agieren als reagieren. \u00dcber l\u00e4ngere Zeit gew\u00f6hnte sie sich an zu knurren, wenn ich mich im Stall den anderen drei Hunden zuwandte. Wohlgemerkt nicht, wenn ich etwas erledigte, zum Beispiel Wasser auff\u00fcllte. Zun\u00e4chst knurrte Fenya vom anderen Ende des Auslaufs. \u00dcber die Zeit kam das Knurren n\u00e4her an den Stall heran. Als sie anfing, direkt in den Stalleingang hineinzuknurren, reagierten Moby und ich: Moby nahm wieder keine Leckerlis. Ich wei\u00df bis heute nicht, gegen wen das Knurren gerichtet ist und was Fenya damit sagen will. Mein Verstand warnte mich so manches Mal. Ich hockend hinten im Stall, wie in einer Falle, mit dem R\u00fccken zu Fenya. Fenya h\u00e4tte mich mit Leichtigkeit angreifen k\u00f6nnen. Mein Gef\u00fchl war sich sicher, dass Fenya mir ihren Frust mitteilen wollte, mir aber nichts tun wollte. Seit Fenya am Stalleingang knurrte, warf ich ihr ohne mich umzudrehen im Wechsel mit den anderen Hunden ein Leckerli hin. Aus dem Knurren wurde ein murrendes Weggehen. Ab und zu nahm sie ein Leckerli. Was sie nicht fra\u00df, sammelte ich wieder auf, bevor ich ging, so dass sie es nicht hinterher fressen konnte. Fenya nahm immer \u00f6fter ein r\u00fcckw\u00e4rts geworfenes Leckerli. &nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Moby wechselte zwischen verweigern, nehmen und fallen lassen sowie nehmen und fressen.<\/li>\n\n\n\n<li>Jeannot nahm Leckerli stetig vor der H\u00fctte.<\/li>\n\n\n\n<li>Inzwischen halte ich Fenya Leckerli auf der flachen Hand hin, hinter meinem R\u00fccken Richtung Stalleingang. <strong>Fenya wechselt zwischen knurren und Leckerli von meiner Hand nehmen<\/strong>. Wenn sie es frisst, dann gern laut schmatzend. Das Knurren h\u00f6rt auf, wenn ich mich Fenya stimmlich und\/ oder mit Leckerli zuwende. Man k\u00f6nnte Fenyas Verhalten auch N\u00f6tigung oder Schutzgelderpressung nennen. Was es wirklich bedeutet, wei\u00df ich nicht. Es f\u00fchlt sich f\u00fcr mich so an, als wenn Fenya zu unserer Gemeinschaft (Moby, Jeannot, Rika und ich) dazugeh\u00f6ren m\u00f6chte, jedoch zu scheu ist, um direkt zu uns zu kommen und es ihr an Verhaltensweisen mangelt, wie man auf sch\u00f6ne Art in Kontakt treten kann. Selbstverst\u00e4ndlich ist ebenso m\u00f6glich, dass sie die anderen drei vor mir warnen will oder dass sie mich zurechtweisen, bedrohen und zum Verschwinden bewegen will oder dass sie den anderen dreien verbieten will, von mir Aufmerksamkeit anzunehmen, solange sie selbst keine von mir bekommt.<\/li>\n\n\n\n<li>Moby wird deutlicher: nachdem Jeannot und Fenya gefressen haben, nimmt und frisst er fast immer.<\/li>\n\n\n\n<li>Parallel zum Leckerli-Vorhaben hatte ich begonnen, jeweils vor den Leckerlis <strong>am Vorhang des H\u00fctteneingangs zu arbeiten<\/strong>. Bei der Anwesenheitskontrolle hatte ich fr\u00fcher mit Taschenlampe und Handy-Kamera unter dem Vorhang, der nicht bis zum Boden geht, durch den offenen Spalt, ein Video aufgenommen. Dadurch brauchte ich mich nicht mit meinem Kopf anzun\u00e4hern. Vor etwa zwei Monaten fing ich an, am Vorhang des H\u00fctteneingangs ein wenig zu wackeln. In der n\u00e4chsten Phase gew\u00f6hnte ich Rika, Jeannot und Moby daran, den Vorhang ein wenig nach vorn hochzuheben, w\u00e4hrend ich mit der Taschenlampe und meinen Augen kurz hineinsah. Jetziger Stand ist, dass ich den Vorhang ungef\u00e4hr zur H\u00e4lfte anhebe und mit der Taschenlampe und meinen Augen hineinsehe, manchmal sogar schon vier Sekunden lang.<\/li>\n\n\n\n<li><strong>Positionen von Rika und Jeannot in der H\u00fctte<\/strong>: Rika bleibt grunds\u00e4tzlich hinten sitzen. Jeannot hatte lange Zeit seitlich hinten gesessen oder gelegen, wenn ich die Anwesenheit kontrollierte. In den letzten Monaten hat er sich von Woche zu Woche zentimeterweise dem Eingang gen\u00e4hert. Eine zus\u00e4tzliche Entwicklung ist, dass Jeannot nicht mehr versucht, sich in die H\u00fcttenwand oder in den -boden zu dr\u00fccken, sondern inzwischen sogar ziemlich locker zwischen Liegen und Stehen wechselt und f\u00fcr ein Leckerli nach vorn kommt und sogar den Kopf herausstreckt in den f\u00fcr mich sichtbaren Bereich.<\/li>\n\n\n\n<li>Vor etwa zwei Wochen fing ich <strong>etwas fast Unm\u00f6gliches<\/strong> an. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich den Vorhang etwa zur H\u00e4lfte anheben, Jeannot kam f\u00fcr Leckerli zuverl\u00e4ssig mit dem Kopf aus der H\u00fctte heraus, Fenya und Moby nahmen h\u00e4ufig Leckerlis von meiner Hand. Ich begann, <strong>Rika Leckerlis zu geben!<\/strong> Bitte versuchen Sie, sich bildlich diese riesige Herausforderung vorzustellen. Jeannot liegt oder steht an der H\u00fcttenwand auf der Seite des H\u00fctteneingangs. Seit mehreren Wochen ist er es gewohnt, von mir Leckerlis zu bekommen und ist entsprechend erwartungsvoll. Wenn ich Moby oder Fenya etwas anbiete, dann bin ich von Jeannot abgewandt. F\u00fcr Jeannot war es zur Gewohnheit geworden, dass er und nur er und sofort er ein Leckerli bekommt, wenn ich meine Hand in seine Richtung halte. Pl\u00f6tzlich fange ich etwas anderes an. Erst wie gewohnt: Jeannot, Fenya und Moby biete ich Leckerlis an. Dabei sage ich immer zuerst den Namen des Hundes, dem ich danach auf der flachen Hand ein Leckerli hinhalte. Also pl\u00f6tzlich, ohne dass die Hunde es verstehen k\u00f6nnten, sage ich \u201eRika\u201c, hebe den Vorhang an, sage nochmal \u201eRika\u201c und werfe zeitgleich ein Leckerli in den hinteren H\u00fcttenbereich. Die Flugbahn geht direkt an Jeannots erwartungsvollem Kopf vorbei und direkt an seinem K\u00f6rper vorbei. Also wenn man mich \u00fcber Wochen mit Schokolade gef\u00fcttert h\u00e4tte und pl\u00f6tzlich die Schokolade an meinem Kopf vorbeifliegen w\u00fcrde, w\u00fcrde ich auch von einem Versehen ausgehen und denken, die Schokolade sei selbstverst\u00e4ndlich wieder f\u00fcr mich und w\u00e4re nur aus Versehen woanders gelandet. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde ich mir die Schokolade schnappen. Wenn Jeannot sich Rikas Leckerli schnappte, schimpfte ich mit ihm, indem ich seinen Namen schimpfend aussprach. Die Wahrscheinlichkeit war sehr hoch, dass Rika folgenden Zusammenhang sehen w\u00fcrde: Ein Leckerli fliegt in die H\u00fctte und sobald ein Hund das Leckerli frisst, bekomme ich schlechte Laune und schimpfte. Aus diesem Zusammenhang heraus w\u00fcrde Rika die Leckerlis nie fressen. Deshalb habe ich immer nach einem Schimpf-Vorfall sofort Jeannot direkt ein Leckerli angeboten und meine Zufriedenheit gezeigt \u2013 und gehofft, dass Rika mein Schimpfen nicht generell aufs Fressen bezieht. Und tats\u00e4chlich: es hat geklappt! Stetig hatten DIE VIER in den zw\u00f6lf, nun schon dreizehn Monaten bei mir, Vertrauen aufgebaut, zun\u00e4chst unsichtbar. Aber zum Beispiel hier ist das Vertrauen sichtbar. Wenn ich ein Leckerli f\u00fcr Rika aus meiner wackligen Hocke unten mit m\u00f6glichst geringer Armbewegung, wegen der K\u00e4lte mit Handschuhen, mit den Sinnen darauf konzentriert, ob Fenya nicht zuf\u00e4llig gerade jetzt knurrt, ob Moby meine Bewegung verkraftet, mit den H\u00e4nden das zweite Leckerli schon griffbereit vorbereitet \u2013 Sind Sie in Ihrer Vorstellung noch dabei? \u2013 unter diesen Umst\u00e4nden ist es echt schwierig, korrekt zu werfen. Au\u00dferdem gibt es ja noch die Schwierigkeit, dass Rika mit dem Kopf nah an Jeannots Po ist und leider nicht auf der anderen H\u00fcttenseite. So gab es allerlei unr\u00fchmliche Wurfversuche. Direkt zu Rikas Kopf: Jeannot war schneller. Eher zur anderen H\u00fcttenseite: Jeannot nahm es nicht, aber Rika auch nicht. Naja, so sehr ich Schokolade auch liebe, aber wenn man mich am Oberschenkel mit Schokolade bewerfen w\u00fcrde, w\u00e4re ich auch skeptisch. Doch im Gegensatz zu einigen Monaten vorher, suchte Rika sich die Leckerlis, wenn ich Jeannot lange genug f\u00fctterte. Deshalb muss ich nach dem Leckerli f\u00fcr Rika sofort eines f\u00fcr Jeannot hinhalten. Je nachdem wie schlecht ich geworfen habe, also wie irritiert Rika ist und wie lange sie suchen muss, muss ich Jeannot manchmal drei Leckerlis geben. Zum jetzigen Zeitpunkt klappt es sehr h\u00e4ufig, dass ich Rika ein Leckerli ank\u00fcndige, es ihr zuwerfe und sie es frisst. Sofort gebe ich Jeannot ein bis drei Leckerlis. Moby und Fenya bekommen ihr Leckerli mal vorher, mal hinterher. Die Reihenfolge wechsle ich.<\/li>\n\n\n\n<li>Fenya nimmt es ziemlich h\u00e4ufig hinter meinem R\u00fccken von meiner Hand. Sie knurrt nur noch selten. Stattdessen \u00fcberlegt sie jetzt eher, wie sie angeben kann. Zum Beispiel, indem sie hinter mir sehr laut trinkt, wirklich sehr laut. Und das obwohl sie normalerweise aus der Wassersch\u00fcssel im Auslauf trinkt. Oder einmal hat sie getestet, wie ich reagiere, wenn sie mich am R\u00fccken anstupst (Ich habe es \u00e4u\u00dferlich ignoriert, w\u00e4hrend ich innerlich zutiefst erfreut war.).<\/li>\n\n\n\n<li>Moby ist ziemlich verfressen, sofern er sich sicher genug f\u00fchlt. Wenn ich auf dem Hof Futter in meiner k\u00f6rperlichen N\u00e4he anbiete, verzichtet Moby lieber auf Futter zugunsten seines Sicherheitsabstands. Im Stall nimmt er inzwischen meistens gern Leckerlis von mir. Aber genauso gern schn\u00fcffelt er an mir und probiert, was wir beide miteinander machen k\u00f6nnen (in Zeitlupe, in zentimeterkurzen Bewegungen, falls mit Ber\u00fchrung, dann federleicht). Ganz anders als Jeannot, der sich auf dem Hof gern mit mir ausprobiert (\u201eGuck\u2018 mal, ich trau\u2018 mich, vor Dir zu kacken, obwohl Du nur noch 15 m entfernt bist!\u201c) aber im Stall nur an meinen Leckerlis interessiert ist.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Von dem <strong>aufgebauten Vertrauen<\/strong> der VIER bin ich begeistert. Anfangs verhielten sich Moby und Fenya so, als seien sie fr\u00fcher mit Leckerlis angelockt und dann in Angst versetzt worden. Tierliebende Menschen wollen Hunde meistens direkt nach der Gabe eines Leckerlis begrabbeln und bepatschen, sie nennen es streicheln. Aus der Sicht der Tiere sind dies jedoch k\u00f6rperliche \u00dcbergriffe\/ \u00dcberf\u00e4lle, Grenz\u00fcberschreitungen. Das kombiniert mit einem starren Blick mit gro\u00dfen Augen und nach vorn geneigtem Oberk\u00f6rper wirkt auf Tiere, als wolle der Mensch das Tier mindestens greifen, eher t\u00f6ten. Vermutlich hatten Moby und Fenya solche Erfahrungen gemacht mit tierliebenden Menschen, die es nur gut meinten. Denn die beiden liefen ja anfangs weg, sobald ich Leckerlis anbot. Aber die Kr\u00f6nung ist, dass Rika sich sicher genug f\u00fchlt, Leckerlis zu suchen und zu fressen, obwohl ich so nah dran bin und in ihren R\u00fcckzugsbereich eindringe! (Ermahnende Zusatzinfo f\u00fcr tierliebende Menschen: Selbstverst\u00e4ndlich zeige ich Rika, dass ich sie k\u00f6rperlich respektiere, mich nach jedem Wurf sofort zur\u00fcckziehe und sowieso meinen Oberk\u00f6rper wegneige.) F\u00fcr Jeannot ist diese Situation weniger schwierig als f\u00fcr die anderen. Trotzdem brauchte es auch von ihm erstmal Vertrauensbildung, bevor er seinen Kopf direkt vor meinem K\u00f6rper aus der H\u00fctte herausstrecken mochte. Und selbstverst\u00e4ndlich w\u00fcrde auch Jeannot sofort berechtigterweise Angst bekommen, wenn ich mich mit Kopf und Schultern vorbeugen w\u00fcrde.<\/p>\n\n\n\n<p>Das <strong>freiwillige<\/strong> <strong>Interesse<\/strong> der VIER an mir finde ich fantastisch. DIE VIER haben sich gegenseitig als Sozialpartner, sie brauchen mich nicht. Futter steht ihnen st\u00e4ndig zur freien Verf\u00fcgung, sie brauchen die Leckerlis nicht. Das hei\u00dft weder aus Einsamkeit noch aus Hunger, sondern freiwillig n\u00e4hern sie sich mir an!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DIE VIER sind seit einem Jahr in B\u00e4belitz! Seit DIE VIER hier sind, entwickeln sie sich. St\u00e4ndig! Einige Entwicklungen finden nur innerlich statt, sind w\u00e4hrenddessen nicht zu sehen, erst viel sp\u00e4ter sieht man das Ergebnis. 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