DIE VIER: Entwicklung

Anfang Dezember 2021: Zur Zeit (knapp vier Wochen hier) kommen nachts alle VIER regelmäßig aus ihren sicheren Unterkünften raus. Zwischen 22 und 24 Uhr höre ich oft Tobe-Geräusche. Um Mitternacht mache ich meistens die größten Fortschritte mit den VIERen. Bei Tageslicht agieren Moby und Fenya schon ziemlich häufig mit mir, allerdings zurückhaltender als nachts. Jeannot kommt nun auch manchmal tagsüber so weit vor, dass er mich beobachten kann. Wenn weder die Nachbarn noch ich irgendwelche Geräusche machen, kommen Jeannot und Rika tagsüber raus. Fenya und Moby kommen häufig raus und vor, langweilen sich sogar manchmal schon und freuen sich über neue Erlebnisse. Nach jedem Erlebnis nehmen sie sich viel Zeit zum Abspeichern. Um Mitternacht ist es am schönsten. Alle Nachbarn schlafen, Stille. Wenn ich eine Aktivität von mir oder eine neue Fläche anbiete, verhalten sich Fenya und Moby unterschiedlich: mal reagieren sie, mal beobachten sie. Jeannot und Rika wechseln zwischen Beobachten und Abspeichern. Die Konzentrationsdauer liegt zur Zeit bei zehn bis zwanzig Minuten. Während ich prüfend und schützend die Grenzen abschreite oder Dinge verräume oder mich hinsetze und Selbstgespräche führe, haben DIE VIER den Dokumentar-Sender eingeschaltet und sehen sich die Knoop-Lübke-Serie an.

Ende Dezember 2021: Von Beginn an habe ich mit einer Wildkamera geliebäugelt. Als ich früher eine Zeit lang beim Auto Fahren ein Navigationsgerät benutzt hatte, begab sich mein Orientierungssinn ins Koma. Mit den VIERen sollte mir nicht das gleiche passieren. Mein intuitives Gespür und das Vertrauen in meine Wahrnehmung durch Hören, Riechen und Beobachten der anderen Tiere wollte ich unbedingt behalten. Als ich Rika einige Tage nicht gesehen hatte, überprüfte ich sicherheitshalber, indem ich mich auf einen „geheimen Beobachtungsplatz“ setzte, ob mein klares inneres Bild zutraf. Tatsächlich, Rika verhielt sich genauso, wie ich es die Tage über vermutet hatte. Rika ist Nachzüglerin und zeigt sich mir kaum, bewegte sich aber routiniert und vertraut, als ich DIE VIER auf dem Grundstück laufen ließ. So, wie ich es vermutet hatte aufgrund von Kothaufen, Verhalten der anderen drei, Geruch aus der Hütte etc. An diesem Abend habe ich mir erlaubt, eine Wildkamera zu kaufen und ab und zu, zusätzlich zu meinem Gespür, zu benutzen. Hier sind die ersten halbwegs brauchbaren Fotos aus der Wildkamera.

Wildkamera: Jeannot auf dem Rückweg von der Hoferkundung in den Auslauf der VIER.
Wildkamera: Fenya auf dem Rückweg von der Hoferkundung in den Auslauf der VIER.

DIE VIER gehen kurz erkunden, versichern sich, ob der Rückweg zum sicheren Ort frei ist, gehen wieder erkunden usw. Meistens geht Fenya als erste und Moby direkt hinter ihr. Wildkamera: Hier läuft Moby sehr schnell Richtung hintere Freilaufflächen. Anscheinend hat er „verschlafen“, dass Fenya bereits wieder auf Erkundungstour ist.
Auch mit der Wildkamera ist es auf meinem großen Grundstück nicht so einfach, brauchbare Fotos von Rika zu bekommen. Rika beschäftigt und vergnügt sich regelmäßig. Nur nicht auf die für Menschen sichtbare Art. Dieses wildtierähnliche Verhalten ist genau das, was ich mir von den VIERen erhofft hatte. Die Natürlichkeit beschert mir besonders tiefe Wohlgefühle. Übrigens: Die Temperatur wird von der Kamera nicht richtig erfasst, doch die Uhrzeit ist korrekt. Nachts haben wir die schönsten gemeinsamen Erlebnisse. Zur Orientierung: Rechts weit ab vom Bild sind Auslauf und Stall, links weit ab vom Bild sitze ich, sichere nach außen ab und genieße die Geräusche. Fenya, Jeannot und Moby halten sich auch auf dieser Teilfläche auf.

Anfang Januar 2022: Mit der Wildkamera sind mir Fotos geglückt, deren Aussage für mich beglückend ist. Mein Grundstück ist mehrfach unterteilt. Die Teilflächen sind durch Zäune und Tore voneinander getrennt. Stall und Auslauf stehen den VIERen ständig zur Verfügung. Auf die anderen Flächen gelangen DIE VIER nur, wenn ich sie dort hinführe. Auf den folgenden Fotos sehen Sie die Mittelfläche meines Grundstücks. Die finden DIE VIER gut, aber von der hinteren Fläche sind sie begeistert. Ich gehe vor zum Tor, öffne das Tor, bleibe im Durchgang stehen, überprüfe die hintere Fläche auf Feinde und Gefahren. Fenya beobachtet mich dabei genau. Dann zeige ich, dass alles sicher ist und gehe nach rechts. Innerhalb von 48 Sekunden folgen mir nacheinander Fenya, Moby, Jeannot und Rika. Wunderbares Rudelleben.

Als verantwortungsbewusste Rudelführerin überprüfe ich die nächste Fläche. Fenya beobachtet mich dabei.
Das Ergebnis meiner Überprüfung: alles sicher. Ich gehe hinterm Zaun nach rechts. Fenya sprintet los.
Rechts hinter der Palette bin ich noch zu sehen, Fenya ist schon außerhalb des Kamera-Bereichs. Moby folgt mir und Fenya.
Jeannot hat noch ein bisschen gewartet. Sicher ist sicher. Er ist vorsichtig. Deshalb läuft er nicht mittig über diese Fläche. Am Rand (rechts) fühlt er sich sicherer.
Kurz nach Jeannot folgt Rika. Die drei hellbraunen Hunde sind hier optisch nicht wirklich unterscheidbar. Die Kamera hat Videos aufgenommen, aus denen ich Fotos herausgeschnitten habe. Auf den Videos kann ich die hellbraunen unterscheiden: Moby ist etwas klobiger gebaut. Fenya hat ein Ringelschwänzchen. Rika hat die größten Flatterohren. Und jeder hat seine eigene Bewegungsart. Bei Menschen gibt es die passende Redewendung, dass man seine Schweine am Gang erkennt.

10.01.2022: Ein besonderer Durchbruch! Eine Premiere! Ein Ereignis, dass mir den Alltag leichter machen wird! Von der Vergesellschaftung mit Daisy, der Krawall-Trulla, bin ich noch weit entfernt. Doch nach einigen Vorarbeiten durch den Zaun und eine Vorübung mit einer einzelnen Henne, traue ich mich, mein Geflügel und DIE VIER zusammen zu lassen. Außerdem ertragen DIE VIER es schon manchmal, wenn ich mit dem Handy filme. An der Vergesellschaftung mit dem Geflügel muss ich natürlich noch arbeiten. Aber der Anfang ist gemacht!

Meine Hühner und Enten, auch mein Hahn Claude sind damit beschäftigt Futter zu suchen. Ein gutes Zeichen. Es bedeutet, dass sie die Hunde als harmlos einschätzen. Jeannot läuft hinterm Geflügel von rechts nach links. Wenn man sich nicht sicher ist, was die Raubtiere vorhaben, braucht man nur die Beutetiere zu beobachten.
Kurz nachdem Jeannot vorbeigelaufen ist, hat ein Greifvogel seine Kreise gezogen. Deshalb ist das Geflügel aufrecht und wachsam. Hinten laufen Fenya (links) und Moby (rechts) vorbei. Das Geflügel kehrt ihnen den Rücken, wieder ein Harmlosigkeitsbeweis. Ich sitze auf einem Stuhl mit dem Handy in der Hand und platze fast vor Glück.